Offener Brief der Besetzer_innen an die Uni-Leitung
07.01.2010

Die Besetzer_innen freuen sich über die Einsicht der Universitätsleitung, die Finanzierung des Runden Tisches vollständig zu übernehmen.
Denn durch Annahme der Universitätsleitung, der Runde Tisch stelle ein Ausbau der Studentischen Mitbestimmung dar, drängte sich den Student_innen die Frage auf, warum die Studierendenschaft diese bezahlen sollte.
Generell möchten die Besetzer_innen aber nochmals klarstellen, dass dies keine Mitbestimmung ist, wie sie die Studierendenschaft anstrebt. Denn alle Entscheidungen des Runden Tisches müssen ohnehin erst noch einmal durch die akademischen Gremien beschlossen werden, und dort sind studentische Vertreter_innen immer noch massiv unterrepräsentiert.
Weiterhin verweist die Hochschulleitung in ihren Außendarstellungen darauf, dass die Forderungen der Besetzer_innen am Runden Tisch geklärt werden sollen, um aktuelle und mögliche erneute Hörsaalbesetzungen „überflüssig“ zu machen. Dieses können die Besetzer_innen jedoch nicht schon im Vorhinein zusichern, da eben die Erfahrungen – gerade auch aus den Protesten im Sommer – gezeigt haben, dass die Zusage zu Forderungen nicht zwangsläufig ihre Umsetzung durch die universitären Gremien oder die Unileitung – zur Folge hat (siehe Anwesenheitslisten).
Zum Punkt der Legitimation verweisen die Besetzer_innen klar auf die Unterstützer_innenschreiben aller demokratisch legitimierten Studierendenvertretungen der Universität Potsdam (die Versammlung aller Fachschaften, der Allgemeine Studierendenausschuss und das Studierendenparlament). In ihren Solidaritätsbekundungen stellen sich diese Gremien hinter alle zentralen Forderungen und befürworten die politische Form der Besetzung.
Darüber hinaus hat sich eine Vielzahl von Studierenden persönlich in der und für die Besetzung engagiert, kam regelmäßig ins Audimax und partizipierte aktiv am Protest.
Ergänzend dazu verstehen die Besetzer_innen ihre politische Aktionsform der Hörsaalbesetzung als diskussionsoffenen Protest, der allen Studierenden die Möglichkeit bietet selbstbestimmt ihre Interessen einzubringen.
Der Aufbau eines Zeltes als „Auditorium Provisorium“ an der Universität Potsdam bleibt immer noch unverständlich!
Die Besetzer_innen haben von Anfang an klargestellt, dass Lehrveranstaltungen im Audimax stattfinden können. Diese Möglichkeit besteht immer noch. Leider scheint es aber der Unileitung ein Anliegen gewesen zu sein, die Studierenden, deren Veranstaltungen regulär im Audimax stattfinden, von den Besetzer_innen fern zu halten, weshalb die für die Lehre notwendige Technik anfangs völlig gesperrt worden ist und Gerüchte kursierten, dass Dozierende Repressalien erwarten müssten, wenn sie ihre Veranstaltungen im Audimax abhalten würden.
Grundsätzlich begrüßen die Besetzer_innen die Ankündigung der Universitätsleitung, Renovierungsarbeiten im Audimax durchführen zu lassen. Schlecht isolierte Fenster führten in Anbetracht der Witterungsverhältnisse schon seit Monaten zu zeltartigen Zuständen im Auditorium Maximum, auch die Decke weist seit langem unansehnliche Verfärbungen auf.
Abschließend verweisen die Besetzer_innen noch einmal darauf, dass ihre Forderungen zur Beendigung der Besetzung so gestellt wurden, dass diese technisch einfach, zeitnah und kostenneutral umsetzbar sind. So würde die Abschaffung der Anwesenheitslisten sogar noch Verwaltungskosten und Zeit einsparen. Alle Forderungen sind mit Anträgen in die entsprechenden Gremien durchführbar.
Seit Beginn zeigen die Besetzer_innen ihren Willen zu einem vernünftigen Dialog mit der Leitung der Universität, sowie der Landesregierung Brandenburgs, um zu konstruktiven Lösungen zu gelangen.