Bildungsprotest deutschland- und weltweit

Bologna den Prozess machen – Noch Plätze frei im Bus!

Vom 11. bis zum 14. März findet in Wien der Bologna-Gegengipfel statt. Hintergrund sind die parallel in Budapest und Wien stattfindenden Festivitäten der 27 europäischen Ministerinnen und Minister für Wissenschaft und Bildung zum 10-jährigen Jubiliäum des Bologna-Reformprozesses im europäischen Hochschulwesen. Zahlreichen Betroffenen dieser bürokratistischen Reform – Lernende, Lehrende und Forschende, von denen bitteschön auf Kosten ihrer eigenen Zukunft Geduld, Strapazierfähigkeit und Akzeptanz für den Reformprozess abverlangt wird, erscheint eine Jubiläumsfeier angesichts dieses Politikversagens (auf der bologna burns!-Webiste ist die gesammelte Argumentation unserer Protestbewegung zum Bolognaprozess zusammengefasst) eher als höhnische Farce. In Teilen der Protestbewegung wird der Prozess nicht nur als grundsätzlich-strukturell falsch und nicht rererereformierbar betrachtet, sondern er wird auch seinen selbstgesteckten Zielen nicht gerecht. Deshalb haben sich solche Menschen zusammengeschlossen und sowohl einen Gegengipfel, als auch eine Demonstration inklusive Bockade der offiziellen Bolognakonferenz organisiert.

Für das subversive Zusammentreffen zahlreicher Schülerinnen, Studierenden, Auszubildenden, Lehrenden und Lernenden wird europaweit mobilisiert. Der Bologna-Gegengipfel soll nun endlich auch die Frage aufwerfen, in welchem historisch-sozialen Zusammenhang die Bildungsreform in der rasanten Fortentwicklung moderner warenproduzierender Gesellschaften steht. Dabei werden als Kernstück der vier Protesttage in zahlreichen Workshops, Podiumsdiskussionen Alternativen selbstorganisierter Bildung und Erkenntnisgewinnung aufgezeigt und unmittelbar auch praktiziert.

Auftakt des Gegengipfel ist eine große Demonstration am 11. März um 15 Uhr vom Wiener Westbahnhof zur Hofburg, wo sich auch die politischen Eliten im Rahmen ihrer „offiziellen“ Bologna-Jubiläums-Minister*innenkonferenz für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der europäischen Hochschulbildung in geschlossener Gesellschaft durch den Abend champagnern.

Der Bologna-Gegengipfel wird im Protestjahr 2010 erstmal DAS wegweisende Ereignis sein (vorbehaltlich der Ideen, die ihr für dieses Jahr natürlich selbst noch habt). Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Stellung werden die Gelegenheit haben, sich zu vernetzen, anzufreunden, inhaltlich auszutauschen und Erfahrungen durch direkte politische Aktion sammeln.


Bologna Burns – Week of Action, March 11-14 auf einer größeren Karte anzeigen

Für die Anreise gibt es noch zahlreiche Plätze im Bus. Abfahrt ist am Donnerstag, den 11. März 2010 um 4.30 Uhr am S Bahnhof Südkreuz. Die Rückfahrt wird am Sonntag Nachmittag stattfinden. Die Kosten für die Hin- und Rückfahrt werden dabei pro Person zwischen 25 und 30 Euro liegen. Vor Ort gibt es die Möglichkeit, sich günstig in einer selbstorganistierten Küche zu versorgen.

Wenn ihr die Gelegenheit nutzen möchtet mitzukommen – und es ist eine verdammt gute Gelegenheit – dann schreibt an ag.bologna.berlin[ät]googlemail.com

weitere Infos gibt es auf
http://www.10099.de/mediawiki/index.php/Berlinweite_AG_Bologna

Besucht auch die Website des Gegengipfels unter
http://bolognaburns.org/

Bologna Burns! auf facebook
http://bit.ly/bzRbul

Website der offiziellen Bologna-Jubiläumsfeierlichkeiten
http://www.ond.vlaanderen.be/hogeronderwijs/bologna/2010_conference/

Auferstanden als Ruinen – Bildungszombies gegen Minister_innen

Zombieaugen

Pressemitteilung des „Unabhängingen Aktionsbündnisses KMK“

Heute, am 4. März 2010, demonstrierten, wie schon am Tag zuvor gegen die Bologna-Fachtagung, Schüler_innen und Studierende gemeinsam gegen die hinter geschlossenen Türen stattfindende „Kultusministerkonferenz“ (KMK) in Berlin. Etwa 20-25 Menschen torkelten als hirnlose „Bildungszombies“ erst über den Gendarmenmarkt und dann direkt zum Tagungsort. Dort verteilten sie Flyer an Passant_innen und riefen Sprechchöre wie z.B. „Wir sind hier, wir sind tot – wegen deutscher Bildungsnot“. Als die Gruppe in Richtung der Konferenzräume zog, wurde sie von Polizisten abgefangen und erhielt überzogene Demonstrationsauflagen. „Seien Sie froh, dass Sie auf dem Gehsteig demonstrieren dürfen!“, so einer der Beamten. Vor dem Tagungsgebäude hielten die Aktivist_innen gegen 12:00Uhr eine Kundgebung ab. In mehreren Redebeiträgen wurde die KMK als vor allem an wirtschaftlichen Interessen orientiertes „Klüngeltreffen der Polit-Elite“. Die Redner_innen forderten die vollständige Demokratisierung aller Lebensbereiche ein. Das Gremium der KMK steht deshalb schon an sich den Forderungen der Protestierenden entgegen und ist damit nicht Adressatin, sondern Gegenstand des Protests.

Doch auch das konkrete Vorgehen des Minister_innentreffens wurde scharf kritisiert: „Dass die Minister_innen sich für ihre so genannten Strukturvorgaben, nur einen Tag Zeit nehmen, an dem die Hälfte der Tagesordnungspunkte aus Grußworten besteht, beweist mit welcher Selbstherrlichkeit und Ignoranz Entscheidungen im Parlamentarismus gefällt werden!“ so die Physikstudentin Leyla Al Fardi (26).

Am Rande der Kundgebung kam es zu einem Gespräch mit dem Generalsekretär der KMK Prof. Dr. Erich Thies, der aus einiger Entfernung die Kundgebung beobachtet hatte. Die Anliegen der Studierenden und Schüler_innen habe man „zur Kenntnis genommen“, so Thies. Die konkreten Forderungen der Protestierenden hielt er „unter uns gesagt für Quatsch.“ Das Gespräch mit den Studierenden brach er kurz darauf ab, ihm sei kalt. Abschließend brachten die Demonstrierenden ihre Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen über das Bildungswesen hinaus noch einmal lautstark zum Ausdruck: Rufe wie „No border! No nation! Free education!“ hallten bis zum Abschluss der Kundgebung durch die Straßen.
Wir protestieren nicht nur gegen eine Bildungspolitik der Ökonomisierung und der Elitenförderung, sondern gegen jeden sozialen Kahlschlag und gegen Herrschaftsverhältnisse, in denen der einzelne Mensch nichts und der Profit alles bedeutet.
Die KMK ist eine der Entscheidungsinstanzen, in denen wenige über den Lebensalltag von Millionen bestimmen. Dieses Politikverständnis lehnen wir von Grund auf ab.

Daher stellen wir keine Bitten an die KMK! Wir formulieren keine Appelle! Wir sagen: Unser Leben in unsere Hände! Für Solidarität und freie Bildung!

Unabhängiges Aktionsbündnis KMK

Bilder der Aktion:

Zombies vorm Dom

Transpi

Zombie Nation

Stürmt die Hinterzimmer!

Pressemitteilung des „U. A. KMK“

Heute morgen, am 3.März 2010, demonstrierten etwa 35-40 Personen auf dem Gendarmenmarkt gegen die hinter geschlossenen Türen stattfindende Bologna-Fachtagung der „Hochschulrektorenkonferenz“ und der „Kultusministerkonferenz“ (KMK). Die anwesenden Polizeikräfte versuchten den legitimen Protest sofort zu unterbinden. Platzverweise wurden ausgesprochen und Personalien festgestellt. Trotz der polizeilichen Repression gelang es einigen Aktivist_innen gegenüber des Tagungsortes, am französischen Dom, ein Transparent mit der Aufschrift „Stürmt die Hinterzimmer! – Radikale Demokratisierung!“ anzubringen.
„Dieses Kaffeekränzchen von Politiker_innen hat keinerlei Legitimation über meine Lerninhalte zu bestimmen!“ so Schülerin Lisa Harz (18).

Wir protestieren nicht nur gegen eine Bildungspolitik der Ökonomisierung und der Elitenförderung, sondern gegen jeden sozialen Kahlschlag und gegen Herrschaftsverhältnisse, in denen der einzelne Mensch nichts und der Profit alles bedeutet!
Die KMK ist eine der Entscheidungsinstanzen, in denen wenige über den Lebensalltag von Millionen bestimmen. Dieses Politikverständnis lehnen wir von Grund auf ab.
Daher stellen wir keine Bitten an die KMK! Wir formulieren keine Appelle! Wir sagen: Unser Leben in unsere Hände! Für Solidarität und freie Bildung!


Unabhängiges Aktionsbündnis KMK

Bilder der Aktion:

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