Archiv für März 2010

Auf die Autobahnen? Gespräch mit Michael Hartmann

Wiener Aktivist*innen führten im Vorfeld des Anti-Bologna-Gipfels ein Gespräch mit dem Darmstädter Soziologen Michael Hartmann, der sich vor allem in den Bereichen Eliten- und Organisationenforschung zu Hause fühlt, zu den Differenzen zwischen deutschen und österreichischen Bildungsprotesten, den Erfolgsperspektiven der Protestwelle im Sommer und den Sinn des Aufmüpfigseins. Hartmann wird diesen Samstag in Wien an einem Diskussionspanel teilnehmen.

Bologna den Prozess machen – Noch Plätze frei im Bus!

Vom 11. bis zum 14. März findet in Wien der Bologna-Gegengipfel statt. Hintergrund sind die parallel in Budapest und Wien stattfindenden Festivitäten der 27 europäischen Ministerinnen und Minister für Wissenschaft und Bildung zum 10-jährigen Jubiliäum des Bologna-Reformprozesses im europäischen Hochschulwesen. Zahlreichen Betroffenen dieser bürokratistischen Reform – Lernende, Lehrende und Forschende, von denen bitteschön auf Kosten ihrer eigenen Zukunft Geduld, Strapazierfähigkeit und Akzeptanz für den Reformprozess abverlangt wird, erscheint eine Jubiläumsfeier angesichts dieses Politikversagens (auf der bologna burns!-Webiste ist die gesammelte Argumentation unserer Protestbewegung zum Bolognaprozess zusammengefasst) eher als höhnische Farce. In Teilen der Protestbewegung wird der Prozess nicht nur als grundsätzlich-strukturell falsch und nicht rererereformierbar betrachtet, sondern er wird auch seinen selbstgesteckten Zielen nicht gerecht. Deshalb haben sich solche Menschen zusammengeschlossen und sowohl einen Gegengipfel, als auch eine Demonstration inklusive Bockade der offiziellen Bolognakonferenz organisiert.

Für das subversive Zusammentreffen zahlreicher Schülerinnen, Studierenden, Auszubildenden, Lehrenden und Lernenden wird europaweit mobilisiert. Der Bologna-Gegengipfel soll nun endlich auch die Frage aufwerfen, in welchem historisch-sozialen Zusammenhang die Bildungsreform in der rasanten Fortentwicklung moderner warenproduzierender Gesellschaften steht. Dabei werden als Kernstück der vier Protesttage in zahlreichen Workshops, Podiumsdiskussionen Alternativen selbstorganisierter Bildung und Erkenntnisgewinnung aufgezeigt und unmittelbar auch praktiziert.

Auftakt des Gegengipfel ist eine große Demonstration am 11. März um 15 Uhr vom Wiener Westbahnhof zur Hofburg, wo sich auch die politischen Eliten im Rahmen ihrer „offiziellen“ Bologna-Jubiläums-Minister*innenkonferenz für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der europäischen Hochschulbildung in geschlossener Gesellschaft durch den Abend champagnern.

Der Bologna-Gegengipfel wird im Protestjahr 2010 erstmal DAS wegweisende Ereignis sein (vorbehaltlich der Ideen, die ihr für dieses Jahr natürlich selbst noch habt). Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Stellung werden die Gelegenheit haben, sich zu vernetzen, anzufreunden, inhaltlich auszutauschen und Erfahrungen durch direkte politische Aktion sammeln.


Bologna Burns – Week of Action, March 11-14 auf einer größeren Karte anzeigen

Für die Anreise gibt es noch zahlreiche Plätze im Bus. Abfahrt ist am Donnerstag, den 11. März 2010 um 4.30 Uhr am S Bahnhof Südkreuz. Die Rückfahrt wird am Sonntag Nachmittag stattfinden. Die Kosten für die Hin- und Rückfahrt werden dabei pro Person zwischen 25 und 30 Euro liegen. Vor Ort gibt es die Möglichkeit, sich günstig in einer selbstorganistierten Küche zu versorgen.

Wenn ihr die Gelegenheit nutzen möchtet mitzukommen – und es ist eine verdammt gute Gelegenheit – dann schreibt an ag.bologna.berlin[ät]googlemail.com

weitere Infos gibt es auf
http://www.10099.de/mediawiki/index.php/Berlinweite_AG_Bologna

Besucht auch die Website des Gegengipfels unter
http://bolognaburns.org/

Bologna Burns! auf facebook
http://bit.ly/bzRbul

Website der offiziellen Bologna-Jubiläumsfeierlichkeiten
http://www.ond.vlaanderen.be/hogeronderwijs/bologna/2010_conference/

Bildungshäppchen, 5. März 2010

In den USA protestierten gestern Tausende Studenten beim National Day of Action to Defend Public Education gegen die fortschreitende Privatisierung öffentlicher Hochschulen. In der wahrscheinlich besten amerikanischen Nachrichtensendung Democracy Now gab es gestern einen ausführlichen Bericht darüber, inklusive einem Interview mit Aktivisten von der UC Berkeley. Gouvernator Schwarzenegger kam in einem O-Ton zu Wort, in dem er bemängelte, dass Kalifornien mehr Geld in Gefängnisse als in Bildung investiert.

In Berlin verschiebt sich derweil der Start der zentralen Schülerüberwachungsdatei, weil in vielen Schulen weder schnelle Internetanschlüsse noch „sichere“ Räume für die benötigten Server zur Verfügung stehen. In Brandenburg geht der geplante Kontrollwahn noch einen Schritt weiter:

Daten, die bislang nur lokal in Aktenschränken oder in Schulrechnern lagern, wandern auf einen zentralen Server in Potsdam. Digitalisiert lägen dort nicht nur Stammdaten der Schüler, sondern auch ihre Noten inklusive Beurteilungen des Sozialverhaltens, Angaben „zur Schwimmfähigkeit“ und Infos über das Engagement in Gremien. Auch, ob ein Kind an der Schulspeisung teilnimmt oder in welcher Sprache sich die Eltern unterhalten, soll an den Zentralrechner übermittelt werden.