Bologna den Prozess machen!

Auf nach Wien! Vom 11. bis 12. März werden die Bildungsminister*innen 46 europäischer Staaten, zur 10-Jahre-Jubiläumskonferenz des Bologna-Prozesses nach Wien und Budapest geladen. Angesichts der Zustände an den Universitäten und den breiten Protesten für freie Bildung sind die geplanten Feierlichkeiten eine Verhöhnung der Uni-Angehörigen.

Der Bologna-Prozess hat das Ziel, die Vereinheitlichung des europäischen Hochschulraumes für mehr Dynamik und Mobilität, klar verfehlt. Die stark verschulten Studienpläne und der Druck, diese in Mindeststudienzeit zu absolvieren, erschweren es, Auslandssemester zu machen. Das neue dreistufige Studiensystem führt zu erhöhter sozialer Selektion. Während der Bachelor einer größeren Zahl zugänglich sein sollte, verdünnen sich Master und PhD zu einem Eliteprogramm, das vor allem Frauen ausschließt. Zudem kommt die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen, sowie die Einführung von Studiengebühren und vermehrter Demokratieabbau an den Universitäten. Die schwere finanzielle Lage zwingt mehr und mehr Hochschulen, Konzerne als Investoren für Forschung an die Universität zu locken – unabhängige und freie Forschung wird dabei unmöglich. Die Ausrichtung der Lehrinhalte auf Arbeitsmarktinteressen im Zuge der Lissabonstrategie betrifft nicht nur Universitäten, sondern soll zur Leitlinie des gesamten Bildungswesens werden. Dies schränkt die Möglichkeit ein, selbstbestimmt und kritisch zu lernen.

Vor dem Hintergrund dieser desaströsen Lage sehen wir keinen Grund, das 10- jährige Bestehen der Bolognareform zu feiern. Die europaweiten Proteste unter Studierenden, Lehrenden und Schüler*innen zeigen, dass die Politiker*innen nicht mehr über unsere Köpfe entscheiden können.

Die Bolognastrategie ist fehlgeschlagen und bietet keinen Grund zu internationalen Feierlichkeiten. Deshalb wollen wir die Konferenz mit Demonstrationen, Streik und Blockaden „empfangen“, auf einem Gegengipfel die europäische Hochschulpolitik kritisch hinterfragen und die Vernetzung der internationalen Bildungsproteste vorantreiben.

Komm, beteilige dich! Stören wir gemeinsam Ihre Feierlichkeiten, und zeigen das dies Hochschulreform kein Grund zu Feiern ist!

Mehr Infos zu den Aktivitäten (Gegengipfel, Demo & Blockaden) auf: http://www.bolognaburns.org | Email-Kontakt: ag.bologna.berlin [ät] googlemail.com | StudiVZ-Gruppe: Bologna den Prozess machen – Wien 11.-14.03.2010 (vz-login erforderlich) |

Bundesweite Flyer für die Mobilisierung zum Bologna-Gegen-Gipfel in Wien: Download ZIP-Paket für Flyer-Druck (.psd,.pdf und .jpg)

Bundesweite Plakate für die Mobilisierung zum Bologna-Gegen-Gipfel in Wien: Download ZIP-Paket für Plakat-Druck (.psd,.pdf und .jpg)

Noch mehr Material (Flyer, Sticker, Banner für HPs, Mobi-Videos etc.)


8 Antworten auf „Bologna den Prozess machen!“


  1. 1 Robert 20. Februar 2010 um 17:10 Uhr

    Wenn ihr gegen den Bologna-Prozesses seit, warum zählt ihr dann soviele positive Effekte auf, ist das ein Versuch objektiv an ein Thema heran zu gehen, fast so als ob wir uns an eine Uni befinden würden?

  2. 2 Ben 20. Februar 2010 um 20:17 Uhr

    Ich sehe nicht, an welcher Stelle im Text oder in der Präsentation positive Effekte des Bolognaprozesses genannt werden und gleichzeitig irritiert mich, inwiefern deren Fehlen in einer kritischen Analyse einen Mangel an „Objektivität“ bedeuten soll. Vielleicht gibt es auch schlicht keine? Dann ist es müßig, sich krampfhaft welche zusammenzuklauben. Aber vielleicht kannst du uns erhellen.

  3. 3 Robert 20. Februar 2010 um 22:02 Uhr

    Ich zeige dir mal die positiven Effekte, die im Text genannt werden:

    - Die stark verschulten Studienpläne und der Druck,

    Verschult sind wohl vor allem die Seminare und dort lerne ich deutlich mehr als in den Vorlesungen, also gut dass das so gekommen ist. Der Druck soll sich auf Langzeitstudenten auswirken, die uns den (Druck) erst eingebrockt haben. Das finde ich sowohl als Steuerzahler gut, als auch als Student (schon mal so ein Langzeitstudent in deiner Gruppe gehabt, das ist echt ein Jackpot (ironisch gemeint))

    - Das neue dreistufige Studiensystem führt zu erhöhter sozialer Selektion

    Soziale Selektion finde ich natürlich auch nicht gut, aber eine nach Leistung macht Sinn. Wenn Leistung zu viel von sozialer Herkunft abhängt, dann sollte man lieber daran arbeiten, statt das Ende des Bildungssystems dafür anzugreifen. Das ist das falsche Ende für einen Ansatz und eh schon zu spät.

    - Konzerne als Investoren für Forschung an die Universität zu locken

    Wunderbar, es beteiligen sich endlich die, die auch den Nutzen haben. Ich finde es äußerst positiv, dass Konzerne und Unternehmer sich engagieren. Das ist eigentlich genau das was alle fordern, doch wenn es passiert ist es auch schlecht. Findet ihr das Hasso-Plattner-Institut so schlecht? Ich glaube das sehen viele Studenten, die dort studieren ganz anders.

    - Die Ausrichtung der Lehrinhalte auf Arbeitsmarktinteressen

    Wunderbar, hoffentlich passiert das bald Mal in meinem Studiengang. Ich möchte nach meinem Studium auch arbeiten und auch darauf gut vorbereitet sein. Später einen guten Job zu haben, in dem man gut ist und durch gut Ausgerichteten Lehrplan auch zu Recht komme ist doch in meinem Interesse. Zu dem sprecht ihr hier so abstrakt vom „Arbeitsmarkt“. Der Arbeitsmarkt besteht doch dann aus uns, also ist es ja unser Interesse.

    -Dies schränkt die Möglichkeit ein, selbstbestimmt und kritisch zu lernen.

    Es steht dir immer noch komplett frei selbstbestimmt und total kritisch zu lernen, nur brauchst du dafür keine Universität, das Handwerkszeug solltest du inzwischen hier gelernt haben. Trag dir zwei Urlaubssemester ein, geh den ganzen Tag in die Bibliothek und lerne so , selbstbestimmt und kritisch wie du willst. Zu dem kann ich das auch im ganz normalen Unibetrieb. Ich kann lernen, wann ich will, wo ich will und wie ich will. Ich bin als Student auch in der Lage kritische Texte zu lesen, gerade das dient oft dem besseren Verständnis.

    So und zu deinem zweiten Teilsatz, les doch noch mal ganz genau was ich geschrieben habe. Ich habe nicht geschrieben, dass deren fehlen zur Objektivität beiträgt, sondern das deren Vorhandensein zur Objektivität beiträgt. Wenn man jedoch stets nur eine Seite beleuchtet, dann ist das nicht objektive. Du kannst das jetzt mit dem Wort „kritisch“ versuchen zu rechtfertigen. Aber das ändert nichts, dadurch wird ein Artikel subjektive. Ist ja klar, dass ihr überwiegend subjektive schreibt, ihr habt ja ein Interesse. Nur müsst ihr damit leben, dass man das anprangert.

  4. 4 Sebastian 21. Februar 2010 um 2:27 Uhr

    Aufgabe der Unis war es, Menschen zu wissenschaftlichem Arbeiten zu befähigen, also den Studierenden einerseits (praktisches) Wissen in ihrem Fachgebiet, vor allem aber auch Methodik zum eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten zu vermitteln. Aufgabe von Unis war es nicht, Menschen auf einen ganz bestimmten, konkreten Beruf vorzubereiten.
    Wenn Du für einen konkreten Beruf ausgebildet werden möchtest, dann mach das: eine Berufsausbildung oder eine Lehre.

    Der Teil „Befähigung zu eigenständigem wissenschaftlichen Arbeiten“ scheint mit der Umstellung auf den Bachelor sehr stark zurückgefahren worden zu sein. Wegen angeblicher Praxisfernheit wurde der methodische Grundstock gekürzt, und stattdessen werden die Studierenden mit mehr „praxisnahen“ Inhalten vollgestopft, um sie angeblich „arbeitsmarktkompatibler“ zu machen. Geht es also darum, die Uni zu einer Berufsschule zu „degradieren“?
    Dann haben wir allerdings das Problem, dass Berufsanforderungen sehr unterschiedlich sind. Das beißt sich mit der Forderung, Uniabschlüsse deutschlandweit oder am besten gleich weltweit vergleichbar zu machen. Also werden Inhalte vereinheitlicht, Wahl- und damit Spezialisierungsmöglichkeiten gestrichen. Im Ergebnis hat man eine uniforme Masse an Uniabsolvent_innen, die alle theoretisch das Gleiche können, aber von allem nur ein bisschen und nichts richtig (schneller soll das Studium ja auch noch sein, also muss notgedrungen gekürzt werden). Und diesen Absolvent_innen fehlt womöglich auch noch das methodische Grundwerkzeug, um ihre Lücken selbst zu füllen. Ob das der „Verwertbarkeit“ wirklich zugute kommt, wage ich zu bezweifeln.

  5. 5 Robert 21. Februar 2010 um 7:04 Uhr

    Wer spricht denn von einem ganz konkreten Beruf?
    Aber ist es nicht das Recht von Studenten es gut zu finden praxisnahe ausgebildet zu werden? Warum muss ich dazu in eine Lehre gehen, gehört euch die Uni und ihr bestimmt deren einzigen Zweck? Zu dem kommt eine Praxisnähe auch der Forschung zu gute, vor allem um die konkreten Problem zu finden, dann denen man forschen kann. So wie ich das im Kolloquium mitbekommen habe sind manche Diplomier gar nicht in der Lage ein Problem zu formulieren um später eine konkrete Aussage mit ihrer Arbeit treffen zu können, da wäre etwas mehr praxisnähe sehr gut gewesen.

    Wenn dir etwas am Inhalt eines bestimmten BA nicht passt, dann musst du dich nicht über das System beschweren, sondern die Lehrstühle die den zu verantworten haben. Wenn dort keine ausreichende Grundlagenausbildung ist, müssen die was ändern.

    Aber es kann nicht Ziel der Ausbildung sein Arbeiten zu schreiben, aber auf die Frage „Was weiß ich denn wenn ich deine Arbeit gelesen habe“ keine Antwort zu finden und tut mir Leid auf diese Frage konnten mehre Diplomier nicht antworten.

    Ihr habt nicht das Monopol auf die Ziele, die eine Universitätsausbildung haben sollte, ich kenne wenige Studenten die danach in die Forschung wollen. Dürft ihr darüber entscheiden was das richtige und was das falsche Studieren ist?

  6. 6 Ben 21. Februar 2010 um 9:16 Uhr

    1. Die Uni gehört allen. Und damit gehört sie nicht exklusiv denen, die Studienalltag, -Inhalte, -Verlauf, -Aufbau und -Finanzierung derart regulieren wollen, so dass.für eine kritische Reflexion des eigenen gesellschaftlichen Standpunktes kein Raum mehr bleibt. Und sie gehört auch nicht exklusiv jenen Studierenden, die das mit sich machen lassen wollen.
    2. Dein allgemeines „Das dürft ihr nicht“ klingt langsam wie eine Sandkastenquängelei, nach dem dir jemand die Sandburg zertreten hat. Du phantasierst Protestansprüche in Menschen hinein, die sie nicht haben: Das Monopol auf Zieldefinitionen einer staatlichen Universitätsausbildung hat der Staat. Da machts sich von den Protestierenden niemand etwas vor. Die ziemlich nervenzerreibende und Argumentation, die du seit deinem ersten Beitrag hier aufziehst, folgt immer wieder dem gleichen Muster: Bildungsstreikende schränken alle anderen Studierenden in ihrer Freiheit ein. Das ist eine durchweg reißerische, massensympathie-erheischende und mittlerweile anödenden Methode.
    Das Problem daran ist, dass du diese dumm-populistische „Der mündige Studi“-Figur in fast jedem deiner Beiträge als Universalwerkzeug anwendest, um jegliche studentische Kritik niederzubügeln oder gegen politische Aktionsformen wie Hörsaalbesetzungen, Teach-Ins oder Karrieremessen-Störungen zu pöbeln.
    3. Wer ist eigentlich immer dieser „Ihr“, von dem die ganze Zeit die Rede ist? Ich habe beispielsweise eine ganz andere Auffassung von hoch_schulischer Ausbildung als Sebastian, sehe bereits arbeitsteiliges Erkenntnisgewinnen und Fähigkeitenaneignen in verschiedenen Ausbildungs“betrieben“ (die Bildungseinrichtungen ja nunmal sind) extrem kritisch. Auch wenn Sebastian und ich uns vielleicht in vielem einig sind. Es gibt unter den Protestierenden eine Meinungsvielfalt, die du völlig wegignorierst. Die politischen Gegner werden allesamt in eine Schublade gesteckt.
    Robert, wie war das mit der Objektivität?
    4. Verkneife dir stumpfsinnige Anmerkungen über die Fähigkeiten von Diploma zu Thesenbildung und Anfertigung von Abschlussarbeiten. Vor allem wenn sie auf der Erfahrung von ein oder zwei besuchten Kolloquia beruhen. Dass Studierende verschiedener Abschlussarten einander entweder als verkopfte Langzeitstudis oder McBachelor-Studis anfeinden und so einer gemeinsamen Problemwahrnehmung entgegengewirkt wird, ist ein kalkuliertes Instrument des Bolognaprozesses.
    5. Deine Ansichten über Langzeitstudierende sind einfach nur widerlich und auch komplett falsch. Wieso haben denn Langzeitstudierende – übrigens ein bloßes rechtliches Konstrukt der Landesgesetzgeber – „uns“ den „Druck eingebrockt“? Die übergroße Mehrheit der Langzeitstudis macht über alle Fachbereiche hinweg diejenigen aus, die ihr Studium durch eigene Erwerbstätigkeit finanzieren müssen – 60% aller Studierenden in Deutschland.
    Einen genaueren Blick auf die Hochschufinanzierung und auch das Steuerzahler_innenargument klappt in sich zusammen: Staatliche Mittelzuwendungen (Steuergelder) an die Hochschulen orientieren sich nur an der Zahl der immatrikulierten Studierenden, die im Bemessungszeitraum gerade in Regelstudienzeit studieren. Was also soll diese Hetzstimmung gegen Kommiliton_innen aufgrund von Studiendauer oder angestrebtem Abschluss?
    6. Natürlich mag es sein, dass man in Seminaren, in denen eine wöchentliche Hausaufgabe, Lektüretests und Anwesenheitsliste fällig sind, mehr lernt. Im Hamsterrad laufe ich auch gefühlt schneller als am Strand der Sonne entgegen. Du hast diese Art des fetischisierten Lernens voll aufgesogen, wohl auch, weil du sie auch noch nie anders kennengelernt hast.

  7. 7 Sebastian 21. Februar 2010 um 11:50 Uhr

    @ Ben: Ich finde es auch immer wieder sehr lustig, wie alle bösen Bildungsstreikenden pauschal in eine Schublade gepackt werden. Robert als „Stammgast“ hat sich da besonders hervorgetan und konsequent eine Unfähigkeit – oder zumindest einen fehlenden Willen – zwischen unterschiedlichen Personen und auch Positionen zu differenzieren, zur Schau gestellt.

    @ Robert:
    Zitat:

    Wenn dir etwas am Inhalt eines bestimmten BA nicht passt, dann musst du dich nicht über das System beschweren, sondern die Lehrstühle die den zu verantworten haben.

    Aber wenn das Problem nicht studiengangspezifisch ist, sondern grundlegend in der Konzeption des Bachelors (als Beispiel) begründet liegt, dann ist es wohl auch angemessen, das System zu kritisieren.
    Natürlich gibt es auch Unterschiede beim Entwurf verschiedener Studiengänge, welche die entsprechenden Abschlüsse „brauchbarer“ und „weniger brauchbar“ machen.

    ich kenne wenige Studenten die danach in die Forschung wollen

    Ich könnte jetzt einen Kommentar über die Leute machen, mit denen Du Dich umgibst, aber solche Verallgemeinerungen sind ja eher Deine Spezialität.
    Die Qualitäten, die meiner Meinung nach auch zu einem Universitätsstudium gehören, sind nicht nur für Leute relevant, die danach in die Forschung gehen wollen. Auch im (Arbeits-)Leben außerhalb von Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen kann methodisches Grundlagenwissen, die Fähigkeit, sich auch neue Probleme zu erschließen, sehr hilfreich sein.

  8. 8 Robert 24. Februar 2010 um 12:23 Uhr

    @Ben
    „Die Uni gehört allen. Und damit gehört sie nicht exklusiv denen, die Studienalltag, -Inhalte, -Verlauf, -Aufbau und -Finanzierung derart regulieren wollen, so dass.für eine kritische Reflexion des eigenen gesellschaftlichen Standpunktes kein Raum mehr bleibt. Und sie gehört auch nicht exklusiv jenen Studierenden, die das mit sich machen lassen wollen.“
    Genau, die Uni gehört allen und damit nicht nur euch, sondern auch denen die sie als Qualifizierungsort für ihr weiteres Leben sehen. Sie gehört allen, auch jenen die sie finanzieren und ein legitimes Interesse haben an einer gewissen Effektivität. Richtig allen, auch denen die viel im Selbststudium in der Bibliothek verbringen was längst möglich ist. Ich hab auch bei manchen VL nur die erste und letzte Stunde besucht um die Klausur zu schreiben. Also führe dir deine eigenen Worte mal zu Gemüt, allen heißt nicht nur Leuten die deine Ansichten teilen.

    „Dein allgemeines „Das dürft ihr nicht“ klingt langsam wie eine Sandkastenquängelei, nach dem dir jemand die Sandburg zertreten hat. Du phantasierst Protestansprüche in Menschen hinein, die sie nicht haben: Das Monopol auf Zieldefinitionen einer staatlichen Universitätsausbildung hat der Staat. Da machts sich von den Protestierenden niemand etwas vor. Die ziemlich nervenzerreibende und Argumentation, die du seit deinem ersten Beitrag hier aufziehst, folgt immer wieder dem gleichen Muster: Bildungsstreikende schränken alle anderen Studierenden in ihrer Freiheit ein. Das ist eine durchweg reißerische, massensympathie-erheischende und mittlerweile anödenden Methode.‘“
    Das Problem daran ist, dass du diese dumm-populistische „Der mündige Studi“-Figur in fast jedem deiner Beiträge als Universalwerkzeug anwendest, um jegliche studentische Kritik niederzubügeln oder gegen politische Aktionsformen wie Hörsaalbesetzungen, Teach-Ins oder Karrieremessen-Störungen zu pöbeln.“
    So wie ich das Bild des mündigen Studi benutze, benutz du bei allem „kritisch“, egal was ihr fordert, es ist „kritisch“. Also wenn du mein dumm-populistisch nennst dann guck dir mal deine inflationäre Benutzung von „kritisch“ an und setzt deine eigenen Worte davor.

    „ Wer ist eigentlich immer dieser „Ihr“, von dem die ganze Zeit die Rede ist? Ich habe beispielsweise eine ganz andere Auffassung von hoch_schulischer Ausbildung als Sebastian, sehe bereits arbeitsteiliges Erkenntnisgewinnen und Fähigkeitenaneignen in verschiedenen Ausbildungs“betrieben“ (die Bildungseinrichtungen ja nunmal sind) extrem kritisch. Auch wenn Sebastian und ich uns vielleicht in vielem einig sind. Es gibt unter den Protestierenden eine Meinungsvielfalt, die du völlig wegignorierst. Die politischen Gegner werden allesamt in eine Schublade gesteckt.“
    Ich ignoriere sie nicht völlig Ben, ich nehme Sebastian zum Beispiel als deutlich inhaltsorientierter und angenehmeren Diskussionspartner war, der nicht so extrem ist. Dich nehme ich eher als jemand war, der stolz auf seine Satzhülsen ist und jeden anderen für dumm hält und genauso gut eine ganze andere Meinung vertreten würde, Hauptsache er kann zeigen wie toll er Sätze verzwickten kann in der Hoffnung Leute schalten ab und merken das Eigenlob nicht.
    „Robert, wie war das mit der Objektivität?“
    Das hier ist ein Kommentar, also eine Meinung, seit wann sind die objektiv? Den Anspruch habe ich ja auch nicht und ihr ja auch nicht, nur dass ihr das nicht als Meinungen kennzeichnet (wie es ein Kommentar aus sich heraus ist), sondern als Artikel.
    „Verkneife dir stumpfsinnige Anmerkungen über die Fähigkeiten von Diploma zu Thesenbildung und Anfertigung von Abschlussarbeiten. Vor allem wenn sie auf der Erfahrung von ein oder zwei besuchten Kolloquia beruhen. Dass Studierende verschiedener Abschlussarten einander entweder als verkopfte Langzeitstudis oder McBachelor-Studis anfeinden und so einer gemeinsamen Problemwahrnehmung entgegengewirkt wird, ist ein kalkuliertes Instrument des Bolognaprozesses.“
    Andere verkneifen sich ja auch nicht den Bachelor an jeder Stelle runter zu reden und deren Fähigkeiten klein zu reden, also kann ich das doch auch mit dem Diplomieren machen, die mir so über den Weg laufen (gibt natürlich auch viele Gute, wie es viele gute Bachelor gibt). Und die Konfrontation die du aufzeigst ist kein Instrument des Bolognaprozess (das grenzt ja schon an Paranoia), sondern ein von euch geschürter in dem der BA immer runter gemacht wird. Was natürlich viele Studenten angreift und diese gucken sich dann mal die Diplomier um sich herum an und merken die Kochen auch nur mit Wasser, nur das bei viele das Kochen länger braucht. Ich habe wahrscheinlich auch ein Zerrbild, da ich ja nur noch die Rest Diplomier mitbekomme.

    „ Deine Ansichten über Langzeitstudierende sind einfach nur widerlich und auch komplett falsch. Wieso haben denn Langzeitstudierende – übrigens ein bloßes rechtliches Konstrukt der Landesgesetzgeber – „uns“ den „Druck eingebrockt“? Die übergroße Mehrheit der Langzeitstudis macht über alle Fachbereiche hinweg diejenigen aus, die ihr Studium durch eigene Erwerbstätigkeit finanzieren müssen – 60% aller Studierenden in Deutschland.“
    Das ist nicht ein bloßes rechtliches Konstrukt der Landesgesetzgeber, sondern inzwischen ein sprachliches Konstrukt im deutschen Sprachgebrauch. Und das damit nicht berufstätiger angegriffen werden solltest du dir erschließen können.
    „Einen genaueren Blick auf die Hochschufinanzierung und auch das Steuerzahler_innenargument klappt in sich zusammen: Staatliche Mittelzuwendungen (Steuergelder) an die Hochschulen orientieren sich nur an der Zahl der immatrikulierten Studierenden, die im Bemessungszeitraum gerade in Regelstudienzeit studieren. Was also soll diese Hetzstimmung gegen Kommiliton_innen aufgrund von Studiendauer oder angestrebtem Abschluss?“
    Machst du doch genauso, nur in die andere Richtung, in dem du Bachelor angreifst und Studenten, die schnell fertig werden wollen und das Studium nicht als Selbstzweck sehen. Also werf anderen nicht vor, was du genauso machst.
    „Natürlich mag es sein, dass man in Seminaren, in denen eine wöchentliche Hausaufgabe, Lektüretests und Anwesenheitsliste fällig sind, mehr lernt. Im Hamsterrad laufe ich auch gefühlt schneller als am Strand der Sonne entgegen. Du hast diese Art des fetischisierten Lernens voll aufgesogen, wohl auch, weil du sie auch noch nie anders kennengelernt hast. „
    So jetzt kommen wieder die persönlichen Angriffe wie dumm ich doch bin und dass ich nie was andere kennen gelernt habe, weil du mein Leben und Lebenslauf natürlich in und auswendig kennst. Naja arm wenn man anders nicht argumentieren kann.

    @Sebastian
    Zitat:
    „Aber wenn das Problem nicht studiengangspezifisch ist, sondern grundlegend in der Konzeption des Bachelors (als Beispiel) begründet liegt, dann ist es wohl auch angemessen, das System zu kritisieren.
    Natürlich gibt es auch Unterschiede beim Entwurf verschiedener Studiengänge, welche die entsprechenden Abschlüsse „brauchbarer“ und „weniger brauchbar“ machen.“
    Das Abschlüsse mehr oder weniger brauchbar sind liegt doch daran, dass Profs mehr Verantwortung bekommen haben und manche dieser nicht gerecht werden innerhalb ihrer Fakultät für gut konzipierter Abschlüsse zu sorgen. Nur geht ihr gegen diese Gruppe der Hochschullandschaft kaum vor. Dabei sind diese Hauptverantwortlich für die Ausgestaltung der Abschlüsse.
    „Die Qualitäten, die meiner Meinung nach auch zu einem Universitätsstudium gehören, sind nicht nur für Leute relevant, die danach in die Forschung gehen wollen. Auch im (Arbeits-)Leben außerhalb von Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen kann methodisches Grundlagenwissen, die Fähigkeit, sich auch neue Probleme zu erschließen, sehr hilfreich sein. „
    Siehe oben, wenn die Profs das nicht gut ausgestalten, sollte man an dieses herantreten und nicht am System rumnörgeln, allein schon weil es an anderen Unis geschafft wird. Es kommt drauf an wie weit man jetzt System ausweitet. Es gibt Abschlüsse die gut funktionieren und manche die schlecht ausgearbeitet sind, dass liegt dann an den Fakultäten. Wenn nun nicht gewollt ist von euch, dass so viel macht bei den Profs liegt, dann soll die Politik Mindesstandards und vor definierte Fächer bestimmen. Ich glaube weder, dass die Politik das gut kann, noch dass das im föderalen System funktioniert. Aber ich glaube das fordert ihr auch gar nicht (kannst mich da gerne eines Besseren belehren). Konsequent wäre es, wenn man der Meinung ist der eigene BA ist schlecht ausgearbeitet zu gucken, wo er besser ist. Dies als Best Practice Beispiel zu nehmen und dann an die eigene Fakultät heran zu treten und darüber zu reden und klappt das nicht darauf aufmerksam zu machen. Das wäre natürlich nicht so öffentlichkeitswirksam wie eure jetzige bundesweite Aktion und zu dem nicht so leicht wie die Generalkritik gegen die Politik, aber würde dafür eher den konstruktiven Erwartungen entsprechen, die man an Studenten stellen kann.

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