Archiv für Januar 2010

Student_innen mischen Karrieremesse der Uni Potsdam auf

Heute sorgten einige Student_innen auf der „uniContact“-Messe am Campus Griebnitzsee für ordentlich Verwirrung in den konkurrenzorientierten Köpfen der Austeller_innen, welche vorallem Wirtschaftsstudent_innen für Praktika und Jobs anwerben wollten. Unter den Ständen fanden sich unter anderem die Deutsche Bundesbank, Ebay, Bundesagentur für Arbeit, Allianz, Bombardier oder Ernst & Young.
Mit Sprechchören wir „Hu-Hu-Humankapital“ oder „Für die Wirtschaft wollen wir leben, immer nur nach Kohle streben“ zogen die kapitalismuskritischen Aktivist_innen die Aufmerksamkeit auf sich auf der Messe und als passendes Intermezzo auch in einer Juravorlesung, die in einem Nebenhörsaal parallel stattfand. Ein exzellenter Student wurde aufgrund seiner vorzüglichen Eignung aus unseren Reihen ausgewählt. Insbesondere qualizieren ihn vielfältige Sprachkenntnisse, ein Studium in der Regelstudienzeit, sowie herausragende Studienleistungen und ehrenamtliche Tätigkeit. In einem Einkaufswagen sitzend wurde er deshalb von Stand zu Stand chauffiert um sich nun dem freien Markt zu präsentieren. Sein Nadelstreifenanzug, Krawatte, gegelte Haare und ein überaus freundliches Erscheinungsbild kompletierten seinen exzellenten Auftritt als Bewerber, der auf dem besten Weg ist eine lukrative Anstellung als zukünftige Führungskraft zu erhalten. Ernüchternd stellte sich heraus, dass er mit einem Bachelorabschluss noch nicht besonders verwertbar ist und doch nur eine Anstellung als Umzugshelfer bekommen wird, so wie es ihm das Zukunftsglücksrad der Bundesagentur für Arbeit prophezeite. Jene verweigerte es auch, die Hartz-IV-Anträge von den bereits in einer Schlange wartenden Studierenden anzunehmen. Immerhin bekamen wir von ihnen „Arbeitsplätzchen“ als kleinen Vorgeschmack auf die rosige Zukunft, die die Absolvent_innen der Universität Potsdam erwartet.

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„Neujahrsempfang der Präsidentin“ endet im Eklat – Präsidium besetzt

Kritische Studierende haben sich heute kurzzeitig das Präsdium der Universität Potsdam am Campus-Standort Neues Palais in Haus 9 angeeignet.
Die Aktion erfolgte gleichzeitig zum Neujahrsempfang der Universität Potsdam, der um 16 Uhr am Campus Griebnitzsee stattfand. Nachdem schon die Universitätsleitung dort dem AStA das Rederecht entziehen wollte („Das ist der Empfang der Präsidentin“), haben die Studierendenverterter_innen sich eigenmächtig das Mikro angeeignet und eine kritische Rede unter anderem zur Exzellenzbildung und umsichgreifenden Streichung von Professuren oder ganzen wissenschaftlichen Disziplinen an der Hochschule gehalten. Im Hörsaal befanden sich etwa 400-500 Zuhörer_innen, bestehend aus Hochschulmitgliedern, politischer Prominenz und dem wissenschaftspolitischen Who-is who des Raums Berlin-Brandenburg.
Im Anschluss mussten sich auch Aktivist_innen des Bildungsprotests das Wort erkämpfen und kritisierten scharf die Umgangsweise der Universitätsleitung im Umgang mit studentischem Protest. Zusätzlich wurde vor der hohen Glasfassade des Foyers ein großes Senkrecht-Transparent mit der Aufschrift „Radikale Demokratisierung der Hochschule. Nieder mit der autoritäten Präsidialuni“ entrollt und aufgehängt.
Der Vizepräsident der Universität, Dr. Thomas Grünewald, erschien in Polizeibegleitung im besetzen Präsidium und forderte die Studierenden auf, bis 19.30 Uhr die Räumlichkeiten zu verlassen. Ansonsten erfolge eine polizeiliche Räumung. Die Aktivist_innen verließen daraufhin das Präsidiumsgebäude vor Ablauf des Ultimatums freiwillig.

Besetzung aufgelöst

Die Besetzung ist beendet; es lebe der Protest.

Heute morgen um 9.00 Uhr bestand für die Hochschulleitung ein letztes Mal die Möglichkeit, ihrem eigenen Angebot folgend, die Foyerräume des AudiMax für den studentischen Protest freizugeben.
Die Besetzer_innen hatten am 8.1. das Auditorium Maximum in tadellosem Zustand freigegeben im Austausch für das Foyer als uneingeschränkt nutzbaren Arbeitsraum.
Statt unser Entgegenkommen als solches zu werten wurde nun ein neues „Angebot“ gestellt, welches bei weitem nicht den Bedingungen des ersten entsprach. Dies zeigte was man von der Verlässlichkeit der Uni_leitung und von Weiteren angeboten halten kann.
Um wieder Vertrauen fassen zu können forderten die Besetzenden daher beim letzten Gespräch am 15.1. zwischen Besetzenden, Unileitung und dem Staatssekretär, das Präsidium noch einmal auf, ihren Teil der Abmachung zu erfüllen.

Die heutige Entscheidung, die Schlüsselübergabe nicht zu vollziehen, beendete somit nun jede Grundlage für einen Dialog zwischen der Universitätsleitung und den Besetzer_innen.
Da dieses Verhalten der Unileitung ein Inhaltliches Arbeiten an den Forderungen sehr erschwerte, beendeten die Besetzenden nun diese Form ihres Protests, womit sich auch die Gruppe der Besetzenden aufgelöst hat.
Alle folgenden Proteste finden nun nicht mehr unter der Besetzung und ihren etablierten Arbeitsstrukturen statt.