„Der Schein trügt.“ Pressespiegel 25.11.-28.11.09

Mit einem entmutigenden Erfahrungsbericht über das Bachelor-Studium an der Uni Potsdam griff die taz am 25.11.09 die Eindrücke vieler Studenten auf [1]. Wahlmöglichkeiten für Veranstaltungen gebe es „oft nur auf dem Papier“, durch die Pflichtveranstaltungen in den Modulen sei man „schon mal bis zu 24 Stunden wöchentlich in der Uni, dazu kommen dann noch Bibliothek, Hausarbeiten, Referate und so weiter.“
Das bittere Fazit: „Von denen, die mit mir angefangen haben, das waren 20, haben nur etwa fünf den Abschluss gemacht. Viel habe ich von meinen Kommilitonen nicht mitbekommen – ich hatte zu viel zu tun.“

Angesichts dieser Erfahrungen, die von vielen Studenten geteilt werden, scheint es untertrieben, dass Bundesbildungsministerin Annette Schavan lediglich von „handwerklichen Fehlern“ bei der Realisierung der Bologna-Reform spricht. Im Interview mit der F.A.S. vom 28.11.09 weist sie die Schuld von sich und erklärt, dass nicht der Bologna-Prozess an sich, sondern die Umsetzung der „politischen Vorgaben“ an den Hochschulen die Probleme herbeiführe [2].

Im Interview vom 26.11.09 mit der Märkischen Allgemeine zeigte Thomas Grünewald, Vizepräsident für Studium und Lehre an der Uni Potsdam „Verständnis für die Forderung nach einer besseren Betreuung“. Die Aufgabe, mehr Geld bereitzustellen, habe aber die Landespoltik [3].

Und während Politiker und Hochschulleiter sich gegenseitig verantwortlich machen, und Pobleme abwälzen, wünscht sich DIE ZEIT unterdessen den „Bummelstudenten“ zurück [4]. Anhand von Aufzeichnungen von Mark Twain, der einst die unkomplizierte Organisation an deutschen Hochschulen lobte, zeigt der der Artikel vom 26.11.09 die Probleme des heutigen Systems: „Seit Jahren versucht man aus dem deutschen Studenten einen besseren, einen effizienteren Menschen zu machen.“

Vor Bologna machten aber „bisweilen ausgerechnet jene Karriere, die zum verwilderten, zum absichtslosen, zum ungezwungenen Denken, zur störrischen Individualisierung, zu Eigenständigkeit neigten.“ Individuelle, eigenverantwortliche Entscheidungen seien heute nicht mehr möglich.
Der Artikel bezeichnet die Proteste als „die berechtigte Wut einer Jugend, die deutlich erkennt, dass sie um ihre Entwicklungschance betrogen wird.“

[1] Svenja Bergt. Erfahrungen mit dem Bachelor – Dozenten hatten keinen Schimmer. taz vom 25.11.2009.

[2] Schavan verteidigt Bologna-Reformen – Hochschulen müssen Konsequenzen ziehen. FAZ.net vom 28.11.2009.

[3] Rüdiger Braun. STUDIENREFORM: Rasender Stillstand – Warum sich trotz Protesten an den Hochschulen so wenig bewegt. Märkische Allgemeine Zeitung vom 26.11.2009.

[4] Adam Soboczynski. Hochschulreform – Nieder mit Bologna! Die Zeit 49/2009 vom 26.11.2009.