Reaktion der Unileitung auf unser Gespräch mit dem Wissenschaftsministerium am 13.11. – Kurzer Pressespiegel

Freitag, der 13. war ein ereignisreicher Tag für uns. Wir hatten den Staatssekretär des Wissenschaftsministeriums Martin Gorholt sowie die Unileitung (Präsidentin Kunst, Vize-Präsident für Lehre Grünewald) zu Gast.

Im Deutschlandradio Kultur konnten Katja und Sebastian über die Beweggründe der Besetzung berichten (MP3). „Die meisten Dozenten unterstützen den Protest der Studierenden“, wird im Bericht positiv angemerkt.

Hochschulgesetz soll überprüft werden

Die Präsidentin der Uni Potsdam wurde ebenfalls interviewt (Text, MP3). Kunst hielt das gestrige Gespräch zwischen Besetzer_innen, Unileitung und Ministerium für „positiv und konstruktiv“. Ergebnis sei, dass „die Landesregierung Dinge überprüfen wird, was das brandenburgische Hochschulgesetz betrifft“. Unter anderem, ob es sinnvoll ist, die Erhöhung von Finanzmitteln an die Erhöhung von Studienplätzen zu koppeln.

Die Uni werde „das Menschenmögliche“ tun, um die Raumsituation zu verbessern, so Kunst. Sie weiß zu schätzen, dass Lehrveranstaltungen im besetzten Audimax weiterhin stattfinden können (im Gegensatz zu FU Berlin), merkt aber an, dass einige Dozierende ihre Vorlesungen dennoch „unter diesen Bedingungen“ ausfallen lassen.

Bachelor- und Masterstudiengänge müssen erneut reformiert werden

Der Interviewer sprach noch das Verantwortungspingpong um den Bologna-Prozess an (verschultes Studium, Anwesenheitslisten, hohe Prüfungsanzahl). Bundesbildungsministerin Schavan möchte, dass die Länderminister sich kümmern, diese wiederum sehen die Unirektoren in der Verantwortung. Angesprochen auf die Frage, ob sie selbst etwas für die Studierenden tun könne, antwortete Kunst:

„Wir können und wir machen es auch. Wir sind uns darüber im Klaren, dass es die Reform der Reform von einer ersten Generation Bachelor- und Masterstudiengänge geben muss. Die Entscheidung der Kultusministerkonferenz letzter Woche ist sehr zu begrüßen, die ja letztendlich zum Inhalt hat, dass flexiblere Studienzeiten für Bachelor- und Master möglich sind und zu erproben sind. Und wir sind natürlich daran, die Übergänge zwischen Bachelor und Master weiter mit den Studierenden zu diskutieren und werden auch da gesprächsbereit sein.“

Schwierige Studienbedingungen durch Sondermittel des Bundes verbessern

Unipräsidentin Kunst sieht den aktuellen „Studierendenansturm“ als ein Problem an, dass man mit Sondernmitteln des Bundes entschärfen kann. Ein dauerhaftes, strukturelles Problem scheint die Situation für sie nicht zu sein:

„Ich hoffe sehr, dass es durch eine gute Nutzung auch von Sondermitteln gelingt Entlastung zu schaffen, solange wir diesen Studierendenansturm haben. Ich halte das für unerlässlich, um die Studienbedingungen für die Studierenden so zu gestalten, dass es auch wirklich eine erfreuliche Lebensphase ist, studieren zu können. Das wird allerdings nur durch zusätzliche Mittel des Bundes gelingen, da die Länderkassen leer sind.“

Besetzung wird weiterhin zugelassen, Forderungen sind nachvollziehbar

Auf die Frage, ob die Besetzung weiterhin durch die Unileitung zugelassen wird oder wie in Tübingen geräumt wird antwortete Kunst:

„Wir werden bei unserer Politik bleiben, die Besetzung des Audimax zuzulassen. […] Ich habe großes Verständnis für den Protest der Studierenden. [Ich] weiß, wie schwer es ist, sich in ein Studium hineinzuarbeiten und auch den Anforderungen tatsächlich zu genügen, so dass ich das allergrößte Verständnis habe für diese schwierige Lebensphase und von daher auch viele der Forderungen sehr sehr gut nachvollziehen kann. “

Fehlende Mitspracherechte machten Besetzung nötig

In den Potsdamer Neuesten Nachrichten kritisierte Jan Kixmüller, dass sich die Unileitung „so sehr in die Defensive begibt“ und sich nicht mit den „zu Recht aufgebrachten Studierenden“ glaubwürdig solidarisiert, um eine „starke Verhandlungsposition gegenüber dem Land schaffen können“:

Mit einem progressiven Umgang mit der Besetzung hätte die Universität – gerade erst für exzellente Lehr-Konzepte ausgezeichnet – zur Speerspitze unter den deutschen Hochschulen werden können. Stattdessen nimmt man die Streikenden kaum ernst, spricht ihnen Vernunft und gegenseitigen Respekt ab. Dass es offensichtlich die Landesregierung war, die die Hochschulleitung von der schon eingeleiteten Räumung zurückpfeifen musste, spricht schließlich für sich.

Ferner kritisiert Kixmüller die schlechten Studienbedingungen an der Uni und fehlende Mitspracherechte der Studierenden in den Gremien, die letztendlich zur Besetzung geführt haben:

Seit Jahren schon quälen sich hier Studierende durch überfüllte Seminare, daneben setzt ihnen das enge Korsett des Bachelorstudiums zu. Als dann auch noch die Errungenschaften des Bildungsstreiks vom Sommer 2009 im Sande zu verrinnen drohten, lief das Fass über. Frustriert zeigten sich die Studierenden darüber, dass Versprechen der Unileitung vom Sommer als Empfehlungen in den Uni-Gremien zerredet wurden, ohne dass die Studierenden hier ausreichend Mitspracherechte hätten.


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